Bürgermeister positioniert sich zu Forderungen des Ebendorfer Ortschaftsrates

Bürgermeister positioniert sich zu Forderungen des Ebendorfer Ortschaftsrates       

Die vorsorgliche Schließung des Hauptgebäudes der Kindertagesstätte „Gänseblümchen“ in Ebendorf sorgt weiter für heftige Diskussionen. Das wurde am 13. April beim Treffen des Elternkuratoriums ebenso deutlich, wie beim Elterntreffen an der Kita und während der Sitzung des Ebendorfer Ortschaftsrates am 16. April.
Zur Erinnerung: Bei einer planmäßigen Untersuchung der Raumluft auf Pilzsporen und einer Baufeuchtemessung in dem Hauptgebäude der Kindertagesstätte in Ebendorf durch das Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt (LAV) am 10.03.2015 wurden aus Mineralwolle in der Zwischendecke freigesetzte Fasern festgestellt. Nach Aussage des Fachdienstes Gesundheit des Landkreises Börde können diese eine Beeinträchtigung der Gesundheit darstellen. Das Ergebnisprotokoll des LAV hat Bürgermeister Franz-Ulrich Keindorff vor dem langen Osterwochenende am 02.04.2015 erhalten und daraufhin am 07.04.2015 vorsorglich die Schließung des Hauptgebäudes angeordnet. Gleichzeitig hat er in Zusammenarbeit mit der Verwaltung und den Leiterinnen der Kindereinrichtungen in der Gemeinde ein Unterbringungskonzept für die betroffenen Kinder erstellen lassen. 69 Jungen und Mädchen sind derzeit in Kinder- bzw. Horteinrichtungen in der Ortschaft Barleben untergebracht.

„Wir haben Schimmelpilze gesucht und Mineralfasern gefunden“, informierte die Leiterin des Fachdienstes Gesundheit im Landkreis Börde, Dr. Eugenie Kontzog, die Mitglieder des Ortschaftsrates in Ebendorf und die zahlreich erschienenen Einwohner. Gemeinsam mit Katrin Röhrig, Bereichsleiterin Regiebetriebe/Naherholung/Sportstätten der Gemeinde Barleben, stand die Gesundheitsexpertin den Kommunalpolitikern und Einwohnern Rede und Antwort. Nach ihrer Auffassung lässt sich der Grad der Gefährdung nicht feststellen. Mineralfasern können als mögliche Krebserreger eingestuft werden. „Bisher gibt es aber keine Krebserkrankungen, die auf Mineralfasern zurückzuführen sind“, ließ die Gesundheitsexpertin wissen. 
Katrin Röhrig berichtete, wie unmittelbar nach Eintreffen der Untersuchungsergebnisse vor dem langen Osterwochenende ein Krisenstab in der Gemeinde die notwendigen Schritte für eine vorsorgliche Schließung der Kita, wie beispielsweise die altersgerechte Herrichtung der Ausweichquartiere, in die Wege leitete. In einem >>Offenen Brief<< an Barlebens Bürgermeister Franz-Ulrich Keindorff bedankte sich das Elternkuratorium für den „offenen und schnellen Informationsaustausch mit der Verwaltung der Gemeinde Barleben“ und hob hervor: „Innerhalb von Stunden wurde durch die Kita-Leiterin Frau Schuchardt und die Gemeinde Barleben ein alternatives Unterbringungskonzept für die fast 100 Kinder der Einrichtung erarbeitet.“

Katrin Röhrig machte noch einmal deutlich, dass die Verwaltung mit Hochdruck an der Lösung zur zeitweiligen Wiederinbetriebnahme des Bestandsgebäudes, bis zur Umsetzung des geplanten Neubaus, arbeitet. Hierbei muss insbesondere auch das Ergebnis der von der Gemeinde in Auftrag gegebenen Untersuchung auf Biolöslichkeit der Mineralfasern miteinbezogen werden. Die Verwaltung hatte im Beisein des Gesundheitsamtes des Landkreises Börde am 15.04.2015 weitere Proben genommen und an das Fraunhofer Institut für Silicatforschung in Würzburg geschickt. Hintergrund ist, dass sich im Verlauf der letzten 20 Jahre aufgrund der Entwicklung verschiedener Mineralwolletypen auch die Bewertung der Behörden zum Einsatz von Mineralwolle geändert hat. Die Beurteilung eingesetzter Faserstoffe ausschließlich anhand des KI-Kriteriums (Bewertungskriterium der Untersuchungen durch das Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt) entspricht nicht mehr dem heutigen Wissensstand. Das wichtigste Kriterium basiert auf der Biolöslichkeit.
Mittelfristig muss geprüft werden, welche finanziellen Möglichkeiten für einen Neubau sich aus dem Stark-III-Förderprogramm ergeben. 
Ortsbürgermeister Manfred Behrens forderte, andere Finanzierungsmöglichkeiten zu prüfen, blieb aber leider auch untersetzbare Vorschläge schuldig. Er sprach stattdessen von einer Notsituation und forderte den sofortigen Kitaneubau. Bürgermeister Keindorff ist erstaunt und verstimmt angesichts dieser Äußerungen. „Herr Behrens handelt absolut verantwortungslos. Als Gemeinderatsmitglied ist ihm die derzeitige Haushaltssituation der Gemeinde bestens bekannt. Wie kann er ohne gesicherte Finanzierung den sofortigen Neubau fordern? Für die Eltern hört sich das zwar erstmal gut an, nur haben die Äußerungen von Herrn Behrens keinerlei Substanz und sind der eigentlichen Sache nicht dienlich.“
Des Weiteren überraschte der Ortschaftsrat mit einer Kehrtwende bezüglich der Sanierung des Hauptgebäudes der Kita in Ebendorf und stiftet damit zusätzlich Verwirrung. Sprach er sich noch vor kurzem dafür aus, die gesamten genehmigten Kreditmittel aus dem Nachtragshaushalt in Höhe von 678.300 Euro für eine Sanierung der Kita zu verwenden und unterstütze einen entsprechenden Antrag der Fraktion Freie Wählergemeinschaft/Piraten, wollte er in der jüngsten Sitzung davon nichts mehr wissen. Stattdessen lehnt der Ortschaftsrat Ebendorf nun jede weitere Investition in die jetzige Kita ab. Und dies ungeachtet der Tatsache, dass der Neubau einer Einrichtung unter Berücksichtigung der Planungs-, Genehmigungs- und Bauzeit mehr als eineinhalb Jahre dauern wird.
Auch muss aus Sicht des Bürgermeisters zumindest als Randnotiz erwähnt werden, dass der Ortschaftsrat seine eigene Geschäftsordnung verletzt hat, in dem er aus der Diskussion heraus Beschlüsse gefasst hat, die vorab nicht beraten worden und nicht auf der Tagesordnung standen.

Richtig und sinnvoll dagegen der Antrag von Ortschaftsrat Christian Mandel, noch einmal alle Möglichkeiten einer Unterstützung durch den Landkreis zu prüfen. Dies fordert auch das Elternkuratorium in seinem Offenen Brief und erwartet von der Gemeinde Barleben eine umgehende Prüfung der Sanierungsmöglichkeiten des Kita-Hauptgebäudes. Und wie erwähnt, arbeitet die Verwaltung daran bereits mit Hochdruck.

Bildtext: Die vorübergehende vorsorgliche Schließung der örtlichen Kindereinrichtung wegen möglicher Gesundheitsbeeinträchtigung durch Mineralfasern bescherte dem Ortschaftsrat großes Interesse an seiner jüngsten Sitzung.

 


 
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