Zukunftsforum der Gemeinde Barleben
Im Zuge des demografischen Wandels werden die Einwohnerzahlen zurückgehen. Dabei wird sich überall auch ein Wandel der Altersstruktur vollziehen. Eine alternde Bevölkerung bringt nicht nur ökonomische und gesellschaftliche Probleme mit sich.
Sie führt auch zu völlig veränderten Anforderungen an eine moderne kommunale Gesundheits- und Sozialpolitik. Nicht nur die städtebauliche Infrastruktur muss neu gedacht werden. Auch die Versorgung mit Lebensmitteln, pflegerischen und kulturellen Angeboten und die Versorgung mit Gesundheitsleistungen gehören zu einer modernen kommunalen Entwicklungspolitik. Über diese Fragen wurde beim 1. Barleber Gesundheitsforum am 20. März 2012 im Gemeindesaal diskutiert.
Mit seiner Begrüßung stellte Barlebens Bürgermeister Franz-Ulrich Keindorff besonders gesundheitliche Fragen in den Mittelpunkt des Forums und freute sich, dass statt der angekündigten 45 Interessenten über 70 Gäste kamen. Carolin Lampe und Christian Lüder von der Hochschule Magdeburg- Stendal stellten Eckdaten aus ihrem Projekt „Kommunale Gesundheit – eine Situations- und Bedarfsanalyse in der Gemeinde Barleben“ vor.
Nach der Auswertung von 724 Fragebögen kamen sie zu dem Ergebnis, dass 82 Prozent der Beteiligten ihren Gesundheitszustand mit gut bis sehr gut bewerteten. Aber Dreiviertel von ihnen sehen Handlungsbedarf bei der medizinischen Versorgung. Eine Einleitung ins Thema gab Jürgen Fremmer von der Gesellschaft für internationale Sozialpolitik. Er wies darauf hin, dass im Jahr 2030 jeder 3. Einwohner über 65 ist, machte aber zugleich deutlich, dass die Diskussionen um Demografie zu sehr auf Alter, Rente und Kosten fokussiert sein.
Über die regionale Krankenhausentwicklung aus Sicht eines privaten Kranken-hausträgers referierte Michael Dieckmann von der AMEOS, Region Börde. Für sie, die bundesweit an 26 Standorten 50 Kranken-, Pflege- und Eingliederungshäuser betreiben, bestehe das Ziel darin, von den Standorten aus Patienten vor Ort zu versorgen.
Wie Planen, Bauen und Gesundheit möglichst in Gleichklang gebracht werden sollen, war das Thema für Henri Gnauert, Sanierungsbeauftragter der Gemeinde Barleben. Er stellte einen Check für begünstigende städtebauliche Faktoren auf und zeigte, wie das bei der städtebaulichen Sanierung des Barleber Ortskerns in den zurückliegenden 12 Jahren umgesetzt wurde. Er kam zu dem Schluss: Wer gern in seiner Gemeinde lebt, ist stolz auf sie.
Aus der Sicht einer Krankenkasse beleuchtete Jens Hennicke von der Techniker Krankenkasse die Thematik. Er plädierte dafür, vor allem dann etwas in Sachen Gesundheit zu unternehmen, wenn es einem gut geht. Die Bündelung von fachärztlichen Kompetenzen sei ein Weg, um auf demografische Veränderungen zu reagieren, zudem sich die Zahl der Pflegebedürftigen in den nächsten Jahren verdoppeln wird. Eine seiner Zukunftsvisionen bestehe darin, Alte und Kinder zusammenzubringen. Er unterstrich, was später in der Diskussion mehrmals angesprochen wurde, dass wir nicht zu viele Ältere haben, sondern zu wenige Kinder.
An diesem Abend konnten nicht alle angesprochenen Probleme schlüssig beantwortet werden. Es wurden aber, so Bürgermeister Keindorff in seinen Schlussbemerkungen, die Probleme und mögliche Lösungswege angerissen. Und so war es schon richtig, vom 1. Zukunftsforum Barlebens zu sprechen. Die Problematik sei so vielschichtig, dass analog zu den Themen der Demografie-Arbeitsgruppen aus Barleben und der Niederen Börde weiter darüber diskutiert werden soll.
Bildunterschrift: Waren beim 1. Zukunftsforum in Aktion (von links): Jens Hennicke (TK Sachsen-Anhalt), Barlebens Bürgermeister Franz-Ulrich Keindorff, Moderator Jürgen Fremmer, Michael Dieckmann (AMEOS Zürich) sowie die Studenten Carolin Lampe und Christian Lüder.