NL 012 Projekt InterPyro: Feldversuch zur Nutzbarkeit von Pflanzenkohle

Projekt InterPyro: Feldversuch zur Nutzbarkeit von Pflanzenkohle         

Im Herbst vergangenen Jahres fand in der Gemeinde Barleben das erste Fachgespräch zur interkommunalen Anwendung der Pyrolysetechnologie zur Verwertung bisher schlecht verwertbarer Biomassereststoffe statt. Das Vorhaben wurde einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Im Fachgespräch wurden die aktuellen gesellschafts- und umweltpolitischen Herausforderungen sowie mögliche Lösungen durch den Einsatz der Pyrolysetechnik aufgezeigt. Durch eine breite Teilnahme verschiedener Akteure aus Landes- und Kommunalverwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft wurden erste Fragen, bspw. zur Deklarierung von Biomassereststoffen als Abfall und Behandlung von Pflanzenkohle für eine ertragssichernde Anwendung in der Landwirtschaft, diskutiert.

Um die Nutzbarkeit von Pflanzenkohle zu untersuchen hat der Projektpartner Hochschule Anhalt einen Feldversuch in Bernburg-Strenzfeld begonnen. Hierbei werden zwei Testparzellen und eine Kontrollparzelle gegenübergestellt. Untersucht wird eine humuszehrende Fruchtfolge mit der Hauptfrucht Silomais im Erntejahr 2022 und der Vorfrucht Winterweizen. In der Kontrollvariante liegt die Parzelle über Winter brach und bleibt unbedeckt. In zwei weiteren Varianten wurde Gelbsenf als Zwischenfrucht im September ausgedrillt und eine Behandlung des Bodens vorgenommen. Diese Vorbehandlung erfolgte in einer der beiden Testparzellen mit konventionellem Gärrest und auf der zweiten Testparzelle mit einem TCR®- Biokohle-Gärrest-Gemisch, welches in den Boden eingearbeitet wurde. Das Gemisch wurde 8 Tage vor der Ausbringung im Masseverhältnis 50/50 hergestellt, so dass eine „Beladung“ der Kohle erfolgen konnte. Diese „Beladung“ erfolgte aufgrund der Annahme, dass hierdurch Nährstoffe und Wasser aus dem Gärrest von der Pflanzenkohle aufgenommen werden können. Die Aufnahme von Stickstoffverbindungen konnte bereits durch Laborversuche nachgewiesen werden. Erste optische Eindrücke der Testparzellen belegen die Wirksamkeit der beladenen Pflanzenkohle.

Hintergrund zum Projekt InterPyro:
Mit dem Begriff „Kohle“ wird im Allgemeinen ein fossiler Energieträger verbunden, welcher aus dem Erdboden gewonnen und hauptsächlich zur Energieerzeugung genutzt wird. Die damit betriebenen Kohlekraftwerke weisen eine katastrophale Ökobilanz auf und tragen essentiell zur Erderwärmung bei.
Das Projekt InterPyro versucht diesen Prozess umzukehren und hat es sich zum Ziel gesetzt zu prüfen, ob die Verbesserung des Bodens mit sog. TCR-Biokohle einen Beitrag zu einer klimaneutralen Zukunft leisten kann. Grundlage dafür ist das thermo-chemische Reforming (TCR®), ein thermo-chemischer Umwandlungsprozess, bei dem organische Verbindungen bei hohen Temperaturen und unter Sauerstoffabschluss gespalten werden. Aus diesem Prozess entsteht als Endprodukt die TCR-Biokohle. Die Kommunen Barleben und Wolmirstedt sehen in diesem Projekt eine zukunftsweisende Methode, um die Dekarbonisierung weiter voranzutreiben.