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50. Unternehmerfrühstück der Gemeinde Barleben

29. Oktober 2017 | Gastgeber: Avacon AG

Jubiläumsausgabe des Unternehmerfrühstücks der Gemeinde Barleben

Es ist schon eine Tradition, dass sich immer am letzten Freitag des ersten Monats eines Quartals Unternehmer aus Barleben und der Region beim Unternehmerfrühstück der Gemeinde Barleben zum gemeinsamen Austausch treffen. Am 27. Oktober war es bereits das 50. Mal! Deshalb bot Barlebens Bürgermeister Franz-Ulrich Keindorff im Innovations- und Gründerzentrum Magdeburg im Technologiepark Ostfalen den Teilnehmern der Jubiläumsausgabe ein besonders herzliches Willkommen und drückte seine Freude darüber aus, dass sich aus dem ersten zwanglosen Treffen im Juni 2005 eine solche Tradition entwickelt hat und er selbst 48-mal dabei war.

Dem Jubiläum angemessen, präsentierten die Gemeinde und die gastgebende Avacon GmbH als Referenten den Experten für energetische Nachhaltigkeit, Prof. Timo Leukefeld, der als Energiebotschafter auch die Bundesregierung berät. Bevor der Experte zu Wort kam, stellte IGZ-Geschäftsführer Dr.-Ing. Stefan Schünemann die „Denkfabrik“ näher vor. Auf 25000 Quadratmetern wird am Standort Barleben jungen Unternehmen viel mehr als die Vermietung von Räumlichkeiten angeboten. 150 verschiedene Veranstaltungen pro Jahr bieten den derzeit 70 Unternehmen im Haus vor allem auch die Möglichkeiten zum Gedankenaustausch. Gleich, wie es die Gemeinde Barleben mit ihrem Unternehmerfrühstück tut.
Die gastgebende Avacon AG präsentierte Sylvie Juckenburg von der Tochtergesellschaft Avacon Netz GmbH. Avacon Netz sorgt für die zuverlässige Bereitstellung der Strom- und Gasnetze für Kommunen, Industrie, Gewerbe und Haushalte. Das Netzgebiet für Strom umfasst über 55.000 Quadratkilometer und erstreckt sich von der Nordseeküste bis Südhessen. Rund 16 Millionen Menschen werden über die Netze der Avacon mit Energie versorgt.

 

Zu Hause in einem energieautarken Gebäude
Wie werden wir in Zukunft energetisch leben und wohnen? Welche Alternativen zum Öl haben wir? Gas und Strom aus der Steckdose? Darauf gab Prof. Dipl.-Ing. Timo Leukefeld als Experte für zukünftiges Wohnen den Gästen des Barleber Unternehmerfrühstücks zahlreiche Antworten. Seine Credo ist ganz klar: Sonnenenergie. Mit seinem Vortrag zeigte er neue Wege auf, wie wir mit Ressourcen und mit Energie umgehen sollten, denn der Verbrauch von endlichen Energieträgern, ist nur eine Frage der Zeit.
Ein Blick in seine Vita macht den Energie-Experten noch interessanter: Nach einem Facharbeiterabschluss als Instandhaltungsmechaniker mit Abitur im Jahr 1989 studierte der 1969 in Annaberg-Buchholz geborene Sohn einer Försterin  Energetik an der Bergakademie Freiberg, mit Semesteraufenthalten in der Schweiz, Spanien und Indonesien und einem Abschluss als Diplomingenieur im Jahr 1996, sowie als geprüfter Solarfachberater an der Solarschule Berlin. Seine langjährige Erfahrung in der Energie- und Solarbranche haben ihn zu einem Experten auf diesem Gebiet gemacht. Er berät Politiker, Unternehmen, Energieversorger, Banken und Bauherren zu den Themen Sanierung, Neubau, energetische Strategien, Energieversorgung und neue Altersvorsorgekonzepte. Er scheut sich auch nicht, der Bundesregierung ein Verschlafen bei der Energiewende vorzuwerfen. Eigentlich sei von Energiewende überhaupt nicht die Rede, weil es offensichtlich nur um eine Stromwende geht. Doch bei den Energieverbräuchen insgesamt hat Strom nur einen Anteil von 23 Prozent. Oberste Priorität in einem Haushalt hat beispielsweise mit 87 Prozent die Wärme. Große Missstände macht er auch bei der Dämmung von Häusern aus. „Die Verwendung von Styropor zur Dämmung wird uns noch Jahrzehnte beschäftigen wie derzeit beim Asbest.“
Gern verknüpft Prof. Timo Leukefeld Persönliches mit seinem Job. So lebt er im ersten bezahlbaren, energieautarken Gebäude Deutschlands und macht damit beste Erfahrungen. „Meine Familie mit 5 Personen lebt sorglos ohne jede Einschränkung in dem Haus. Wir sparen durch die eigene Sonnenenergieversorgung bei Wärme, Strom und Elektroautofahren im Vergleich zum Nachbarn etwa 4.000 Euro im Jahr ein. Außerdem haben wir im Winter 22 Grad in allen Räumen, lassen gern das Licht brennen und fahren mit gutem Gewissen viele solarelektrische Kilometer. Wärme, Licht und Mobilität im Überfluss, ohne den Geldbeutel oder die Umwelt zu belasten, ist eine tolle Lebensqualität.“

Warum im Geschirrspüler erst Wasser erwärmen?
Bei all seinen Darstellungen schwört er auf Sonnenenergie und die zahlreichen Vorteile gegenüber anderen erneuerbaren Energien. „Sie kann an jedem Wohngebäude genutzt werden, das geht bei Windenergie nicht und man braucht keinen ‚Brennstoff‘  zu kaufen wie bei der Wärmepumpe den Strom oder bei einer Holzheizung die Pellets. Sonnenenergie ist eine sogenannte Null-Grenzkosten-Technologie: einmal investieren und dafür Jahrzehnte kostenlose Energie ernten. Wir können auch Mehrfamilienhäuser hochgradig energieautark konstruieren mit bis zu 70 Prozent solarer Deckung des gesamten Energiebedarfes. So kann der Vermieter dem Mieter für 10 Jahre eine Pauschalmiete anbieten, in der das Wohnen, die Wärme, der Strom und die Elektromobilität als Flatrate bereits enthalten sind.“ Aus seinen Vorträgen kann ein Zuhörer eine Menge mitnehmen. „Alles was man bei energieautarken Häusern bzgl. Grundstücksauswahl, Ausrichtung, Dachneigung usw. beachten muss, aber auch ganz simple praktische Dinge wie man beispielsweise seinen Geschirrspüler an das warme Wasser anschließt und damit bis zu 70 Prozent Strom einspart. Ich zeige Wege zu einem selbstbestimmteren Leben, Wege in die Unabhängigkeit und Handlungsfähigkeit. Ich zeige aber auch neue Geschäftsmodelle für die sich verändernde Geschäftswelt von morgen und ich zeige auf, wie wir in Zukunft leben werden.“ Seine durchaus realistische Vision ist die einer echten gesamtgesellschaftlichen Neuausrichtung, wobei er den Bogen zwischen Wissenschaft, Ökologie und Wirtschaft spannt.
Er wollte auch wissen, wie wir zukünftig 10 Milliarden Menschen satt bekommen, wie sie sich fortbewegen sollen, wie sie mit Energie versorgt werden, wie sie wohnen werden und wie wir mit immer menschenähnlicheren Robotern umgehen. Zusammen mit seinem Sohn reiste er nach Nagasaki in das erste Hotel der Welt, in dem keine Menschen mehr arbeiten, sondern nur noch Androiden. Dann nach Shanghai, wo eine innovative Firma Mehrfamilienhäuser aus dem 3 D Drucker ausdruckt. Mitgebracht hat er Trends in den Bereichen Energie und Wohnen, Ernährung, Mobilität sowie Robotik („Aufstand der Maschinen“).

 

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